Jugendberufshilfe

Mit großem Erfolg führt IN VIA ein Jugendberufshilfeprojekt in Passau durch.

 

 

Melanie arbeitet im Kinderhaus

St. Franziskus in Auerbach als Sozialhelferin

 

 

„Melanie ist ein Geschenk für uns!"

Die Agentur für Arbeit und der Caritasverband für die Diözese Passau e. V. vermitteln Jugendlichen die Möglichkeit einer Arbeitsgelegenheit - Melanie Leitner (25) arbeitet im Rahmen einer solchen Arbeitsgelegenheit im Kinderhaus St. Franziskus in Auerbach als Sozialhelferin

 Am bezauberndsten ist ihr Lächeln dann, wenn sie mit Kindern spielt, wenn sie mit Kindern spricht oder ihnen etwas aus einem Bilderbuch vorliest. Es ist kein einstudiertes Berufslächeln, kein maskenhaftes Lächeln einer immer frohen Kinderfrau, sondern das Lächeln einer jungen Frau, die Kinder einfach sehr gerne mag und gerne mit ihnen arbeitet.

Wäre es nach ihren Plänen als Schülerin gegangen, dann könnte Melanie Leitner (25) schon längst irgendwo Kinderpflegerin in einem Kindergarten sein. Doch das Leben schreibt eben so seine eigenen Geschichten. Melanie wurde schon früh Mutter von zwei Kindern - und die Möglichkeit einer abgeschlossenen Berufsausbildung rückte gezwungenermaßen in die Ferne. Nun lebt die alleinerziehende Mutter von Arbeitslosengeld II, hat aber das Glück gehabt, durch Vermittlung der Agentur für Arbeit und des Diözesan-Caritasverbandes ihrem Berufsziel zumindest ein kleines Stück näher zu kommen.

Melanie Leitner ist nämlich im Rahmen einer „Arbeitsgelegenheit" im Kinderhaus Sankt Franziskus in Passau/Auerbach tätig. Personen, die einer „Arbeitsgelegenheit" nachgehen, werden gemeinhin auch als „Einsfuchzig-Jobber" bezeichnet, ein Name, dem sowohl Berufsberater Josef Kapfhammer als auch Caritas-Sozialarbeiterin Tanja Steinberger nichts abgewinnen können. „Der Begriff ‚Einsfuchzig-Jobber' ist für mich eine Herabwürdigung von Personen, die während ihrer Arbeitsgelegenheit hochwertigen Einsatz zeigen.", so Tanja Steinberger vom Referat Jugendhilfe des Diözesan-Caritasverbandes, die in enger Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit solche Jugendliche und junge Erwachsene begleitet. Statt von „Jobbern" spricht die Sozialpädagogin lieber von „Sozialhelfern/innen". Mit diesem Begriff würde deren Arbeit viel mehr Wertschätzung erfahren.

Und tatsächlich, wer Melanie Leitner bei der Arbeit zusieht, der hat nicht den Eindruck, dass hier jemand einfach mal so „jobbt". Vielmehr wird sie von der Kindergartenleitung für - wie es heißt - „zusätzliche und gemeinnützige Arbeiten" eingesetzt. Im Fall von Melanie Leitner bedeutet „zusätzlich" alles, was Kinder individuell fördert, was sie unterstützt und vom Kindergartenpersonal nicht geleistet werden kann. Melanie Leitner ist keine Ersatz-Kinderpflegerin und schon gar keine Ersatz-Erzieherin. Von Rechts wegen darf sie keine Tätigkeit leisten, die von bereits originär Beschäftigten ausgeübt wird. Sonst wäre ja das Instrument der „Arbeitsgelegenheit" ein Dumping-Arbeitsmarkt zu Lasten ausgebildeter Kinderpflegerinnen und Erzieherinnen. Deshalb liegt eben im Wörtchen „zusätzlich" die große Chance sowohl für Melanie Leitner als auch für den gesamten Kindergarten. Sie kann sich unter Begleitung oder Aufsicht einer Erzieherin intensiver mit einem Kind beschäftigen, das z. B. Sprachschwierigkeiten oder Probleme mit der Feinmotorik hat. Dass ihre eigenen Kinder ebenfalls im Kindergarten-Alter sind, mag ihr bei dieser individuellen Förderung von Nutzen sein. Sie kann sich mit einer Gruppe von Kindern zum Vorlesen zurückziehen oder ihnen in den zahlreichen Entspannungs-Oasen im Kinderhaus St. Franziskus eine Auszeit anbieten. Alles also Möglichkeiten, für die im „normalen" Kindergartenalltag nicht immer Zeit ist.

Vom Instrument der „Arbeitsgelegenheit" verspricht sich Berufsberater Josef Kapfhammer, dass gerade Jugendliche und junge Erwachsene aus der bloßen Hartz-IV-Existenz herausgerissen werden, dass sie eine sinnvolle Aufgabe bekommen, mit der sie sich weiterqualifizieren und zum ersten Mal vielleicht seit langem wieder ein Erfolgserlebnis haben können. Außerdem werden sie durch diese Tätigkeit auf dem Arbeitsmarkt, in den sie ja wieder einsteigen wollen, konkurrenzfähig. Tanja Steinberger vom Referat Jugendhilfe des Diözesan-Caritasverbandes organisiert für ihre Sozialhelfer/innen Grundkurse in Pädagogik und Pflege. Sie lädt gemeinsam mit der Verbraucherberatung Bayern ein zu einer Infoveranstaltung über Haushaltsplanung mit Schuldnerberatung. Außerdem werden von ihrer Stelle aus EDV-Kurse sowie Trainingseinheiten zu Kommunikation und zur richtigen Bewerbung angeboten.

Auch wenn die Tätigkeit von Melanie Leitner im Kinderhaus Sankt Franziskus mit Ablauf des Kindergartenjahres endet, so hat sie ein berufliches Ziel vor Augen. Sie möchte hat sich für die Kinderpflegeschule in Vilshofen beworben. Während des halben Jahres im Kinderhaus Sankt Franziskus, das nicht nur einen Kindergarten, sondern auch eine Kinderkrippe und einen Hort anbietet, hat sie viel Erfahrung gesammelt. Vom Team des Kinderhauses und seiner Leiterin (Name der Leiterin) hat sie erfahren, dass sich im Bereich der Kindertagesstätten viel geändert hat und in den nächsten Jahren noch viel ändern wird. Ein Ergebnis aus der PISA-Studie ist ja, dass eine ganzheitlich verstandene Bildungsarbeit bereits im Kindergarten beginnen müsse. Was zudem der gesellschaftliche Wandel und von einem immer mehr abverlangte berufliche Flexibilität für den Kindergarten bedeute, werde sich zeigen. Leiterin (Name der Leiterin) gibt sich zuversichtlich: Was immer auch auf einen komme, „man müsse immer einen Schritt voraus sein". Mit Hilfe des Kindergartenteams, der Betreuung durch die Agentur für Arbeit und des Diözesan-Caritasverbandes, hat Melanie Leitner jedenfalls die Möglichkeit bekommen „einen Schritt voraus" in Richtung Zukunft zu tun. Wenn Berufsberater Josef Kapfhammer und Caritas-Sozialarbeiterin Tanja Steinberger vom Kinderhaus Sankt Franziskus das unschätzbare Kompliment hören „Melanie ist ein Geschenk für uns!", dann dürfen sie darauf vertrauen, dass ihre Forder-und-Förder-Maßnahme für in den Hartz-IV-Bereich abgerutschte Jugendliche und junge Erwachsene in die richtige Richtung geht.