IN VIA Landesverband Bayern
IN VIA Bayern e.V.
Katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit

20 Jahre "Stop dem Frauenhandel"

München/Nürnberg. Zwangsprostitution, Ausbeutung und Heirat wider Willen: Seit 20 Jahren hilft die ökumenische Hilfsorganisation „STOP dem Frauenhandel GmbH“ Frauen, die von Menschenhandel betroffen sind. 2019 gab es weit mehr als 300 Fälle in Bayern.

Drei Projekte machen sich unter dem Dach von „STOP dem Frauenhandel GmbH" stark für Frauen und Mädchen. Das älteste ist JADWIGA mit seinen Fachberatungsstellen in München und Nürnberg. Die Sozialarbeiterinnen hier helfen vor allem Frauen, die zur Prostitution gezwungen oder bei der Arbeit unter menschenunwürdigen Bedingungen ausgebeutet werden. 325 Klientinnen haben sie 2019 in Bayern betreut, die meisten (237) waren Opfer von Menschenhandel und sexueller Gewalt.

Nüchterne Zahlen, die Geschäftsführerin Juliane von Krause immer wieder aufs Neue erschüttern. Denn sie kennt die Schicksale dahinter. „Armut, Not und familiäre Zwangslagen machen junge Frauen und Mädchen besonders verwundbar“, sagt von Krause, die zum Internationalen Tag gegen Menschenhandel (30. Juli 2020) auf das Leid der Betroffenen aufmerksam machen will. Denn der vermeintliche Weg aus Armut und Not in ihren Heimatländern endet nicht selten in der Gefangenschaft.

„Viel zu oft geraten die Frauen in die Fänge skrupelloser Menschenhändler, die sie mit Gewalt und Erpressung in die Prostitution zwingen“, weiß von Krause. JADWIGA versorgt die häufig schwer traumatisierten Frauen mit dem Nötigsten und bringt sie sicher unter. Die Mitarbeiterinnen sprechen zwölf Sprachen. „Wir beraten die Frauen und organisieren für sie weitere Unterstützung, damit sie sich seelisch und körperlich stabilisieren können“, so die Geschäftsführerin. Während in der Gründungszeit vor 20 Jahren Hilfesuchende vor allem aus Russland, der Ukraine oder aus Tschechien kamen, ist heute der Großteil aus Rumänien, Ungarn und Bulgarien oder Nigeria.

Verändert hat sich mit der Corona-Pandemie im ersten Halbjahr 2020 die Arbeit von JADWIGA. „Plötzlich war die prekäre Arbeitssituation bei Erntehelferinnen ein größeres Thema“, resümiert von Krause, „wir wurden vermehrt auf Fälle von Ausbeutung aufmerksam gemacht.“ Was war passiert mit den Frauen, die in der Krise beispielsweise in Rumänien angeworben worden waren, um bei der Ernte in Bayern zu helfen und dann in Not gerieten? Sie wurden schlechter als vereinbart bezahlt, sie mussten mehr als zwölf Stunden täglich arbeiten oder bekamen sogar die Flugkosten nach Deutschland in Rechnung gestellt – obwohl davon bei der Vermittlung nie die Rede war.

JADWIGA kümmerte sich um die Heimreise der betroffenen Frauen, was sich angesichts geschlossener Grenzen und ausgefallener Transportmittel als sehr schwierig erwies. „Mit Unterstützung des rumänischen Konsulates konnten wir trotzdem die Rückkehr ermöglichen“, freut sich Juliane von Krause, „vor Ort in Rumänien arbeiteten wir eng mit sozialen Organisationen zusammen, die den Frauen nach ihrer Rückkehr halfen.“

Aufwändiger als sonst war coronabedingt auch die Arbeit für SCHEHERAZADE, einem speziellen Wohnprojekt für junge Frauen, die von Zwangsheirat bedroht sind. Die vom bayerischen Sozialministerium geförderte Einrichtung bietet an einem geheim gehaltenen Ort in Bayern drei Krisenplätze für junge Frauen im Alter zwischen 18 und 21. Über den Notruf 0800 4151616 ist die Kontaktaufnahme (www.scheherazade-hilft.de) jederzeit möglich.

Doch nicht nur in Deutschland macht sich „STOP dem Frauenhandel“ stark für die Rechte der Frauen. Mit FLORIKA unterstützt die gemeinnützige GmbH bereits seit 2010 in Bulgarien eine Initiative, die benachteiligte Mädchen fördert, ihnen den Schulbesuch ermöglicht und so Frauenhandel und Kinderheirat verhindern möchte. 

Die Gesellschafter von „STOP dem Frauenhandel“ sind IN VIA Bayern e.V. Kath. Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit und der Verein für Internationale Jugendarbeit, Landesverein Bayern.

Kontakt: „STOP dem Frauenhandel“, Ruf 089 38534454, Mail an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
(Text: Annette Bieber)