"Zimmer frei" in der Bahnhofshalle

Aktionstag: Münchner Bahnhofsmission macht auf die Wohnungsnot aufmerksam

BM Tag der Bahnhofsmission 2018 mit Caritas Vorständin 1München. Ein knallrotes Sofa, Wäsche auf der Leine und eine Yucca-Palma: Mit der Installation eines Zimmers mitten in der quirligen Bahnhofshalle machte die Münchner Bahnhofsmission auf die akute Wohnungsnot in der Landeshauptstadt aufmerksam.


Mehr als 9000 Wohnungslose leben derzeit in München. „Das ist eine Zahl, die sich auch bei uns bemerkbar macht“, sagen die beiden Leiterinnen Bettina Spahn (katholische Bahnhofsmission) und Barbara Thoma (evangelische Bahnhofsmission) der ökumenisch geführten Einrichtung, „immer mehr Menschen, die hier Hilfe suchen, haben kein Dach über dem Kopf.“ Für andere werde es immer schwieriger, Obdachlosigkeit zu vermeiden.
Den bundesweiten Aktionstag der Bahnhofsmissionen unter dem Motto „Menschen bewegen. Bahnhofsmission.“ nutzten die Verantwortlichen daher nicht nur, um über ihre vielfältige Arbeit zu informieren. Mit der Einrichtung eines bewusst schlicht möblierten Mini-Wohnzimmers griffen sie auch die aktuelle Caritas-Kampagne „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“ auf. „Jeder hat das Recht auf einen privaten Schutzraum – und zwar zu bezahlbaren Preisen“, so Bettina Spahn, „viele haben aber gar kein Zuhause, für sie findet Wohnen im öffentlichen Raum statt.“ Wie an diesem Samstag in der Bahnhofshaupthalle – allerdings oft mit deutlich weniger Komfort und ohne Rücksicht auf Privatsphäre oder Menschenwürde.
Dass eine solche Aktion wachrüttelt, hofft auch Diözesan-Caritasvorständin Gabriele Stark-Angermeier, gleichzeitig Vorstandsvorsitzende des katholischen IN VIA Landesverbands, dessen Mitgliedsverband in München einer der beiden Träger der Bahnhofsmission ist, bei einem „Hausbesuch“: „Eine bezahlbare Wohnung zu finden, ist schwer, nicht nur für Geringverdiener. Diese Entwicklung sollte ein Warnsignal an die Politik sein. Wir fordern bezahlbaren Wohnraum und kurzfristig wirksame Maßnahmen, um den sozialen Frieden nicht zu gefährden.“
Stark-Angermeier (rechts am Tisch) appellierte außerdem an die großen Wohnungsbaugesellschaften, die Mietpreise nicht weiter nach oben zu treiben. Ebenso rief die Caritasvorständin die Kirche zum Handeln auf: „Das Katholische Siedlungswerk hat beim Thema Bauen einen anderen Gestaltungsrahmen als unser Diözesan-Caritasverband. Wir selbst können uns daran beteiligen und überlegen, wie sich innovative Wohnraumlösungen mit sozialen Dienstleistungsangeboten verbinden lassen.“
Barbara Igl, Vorstand von IN VIA München e.V., forderte die Stadt auf, entschieden gegen „Zweckentfremdung, Missbrauch und Leerstand von Wohnraum vorzugehen“. Das Arbeitsangebot locke viele Menschen mit niedrigem Einkommen in die Landeshauptstadt, die sich die regulären Mieten einfach nicht leisten können, „da klafft die Schere weit auseinander.“ Auch Gordon Bürk, Geschäftsführer des Evangelischen Hilfswerks München, sieht angesichts der massiven Zunahme der Wohnungslosenzahlen dringenden Handlungsbedarf.
In der Münchner Hilfeeinrichtung an Gleis 11 sind vierzehn haupt - und 135 ehrenamtlich Mitarbeitende tätig. Im Schichtdienst - und rund um die Uhr - haben sie zwischen 200 und 300 Kontakte täglich. 250 bis 350 Kilo Brot mit Schmalz bestrichen, wandern in der Woche über den Tresen, unzählige Liter Tee werden ausgeschenkt. "Das ist eine Notversorgung, die nicht nur den Hunger stillt, sondern oft auch den Weg eine weitergehende Hilfe ebnet", erklären die beiden Leiterinnen. Bis zu 70 Beratungsgespräche führen sie und ihr Team am Tag.
(Text und Foto: Annette Bieber)

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