Gelungener Fachtag gegen FGM/C in Nürnberg
Nürnberg/München. Rund 80 Teilnehmende kamen am Internationalen Tag (6. Februar) gegen weibliche Genitalbeschneidung (FGM/C) zur ausgebuchten Fachveranstaltung von IN VIA Bayern, pro familia Nürnberg und der Gleichstellungsstelle der Stadt Nürnberg im Treff Bleiweiß zusammen. Im Mittelpunkt standen die Stimmen von Frauen, die selbst von FGM/C betroffen sind.
Eröffnet wurde der Fachtag mit Grußworten unter anderem von Hedwig Schouten vom Menschenrechtsbüro, Leiterin der Gleichstellungsstelle und Frauenbeauftragte der Stadt Nürnberg, sowie von Stadtrat Dr. Nasser Ahmed. Ahmed setzte mit seiner eigenen Familiengeschichte einen eindrucksvollen Akzent. Er erinnerte an den Einsatz seiner Mutter aus Eritrea, die „von einem Küchentisch in der Nürnberger Südstadt aus“ seit Jahren gegen FGM/C kämpft und Familien in ihrer Heimat unterstützt.
Im Zentrum des Fachtags stand eine Talkrunde mit betroffenen Frauen, darunter auch die bekannte Aktivistin Fadumo Korn aus München. Offen, mutig und eindrücklich schilderten sie ihre Erfahrungen – und machten deutlich, wie tiefgreifend und langanhaltend die psychischen und körperlichen Folgen der Beschneidung sind, selbst wenn sie in der Kindheit erfolgte. Zugleich benannten sie, was sie heute brauchen: geschützte Räume, Verständnis, fachkundige medizinische Begleitung und gegenseitige Stärkung.
„Hier wurde sichtbar, was unser neuer Ansatz bedeutet“, sagt Katrin Layh, Projektleiterin bei IN VIA Bayern. „Frauen, die FGM/C erlebt haben, sind Expertinnen in eigener Sache. Wenn wir ihnen Raum geben, ihre Erfahrungen und ihr Wissen einzubringen, wird Prävention wirksamer und Unterstützung gezielter.“ Der Frauenfachverband IN VIA Bayern, der sich seit Jahren in der Präventionsarbeit engagiert, will künftig den Schwerpunkt noch stärker auf die aktive Beteiligung von Frauen mit eigener FGM/C-Erfahrung legen.
In ihrem Impulsvortrag machte Prof. Dr. Nicole Schmidt von der Katholischen Stiftungshochschule München deutlich, dass weltweit inzwischen rund 230 Millionen Frauen und Mädchen von FGM/C betroffen sind – mit steigender Tendenz auch in Deutschland und Bayern. Zugleich wies sie auf ermutigende Entwicklungen hin: So werde FGM/C ab 2027 verbindlich in den Gegenstandskatalog der Medizinstudierenden aufgenommen. Auch die Bedeutung der stärkeren Einbeziehung von Männern in die Präventionsarbeit, etwa durch Schulungen in Ankerzentren, wurde im anschließenden Netzwerkforum des Bayerischen Beratungs- und Präventionsnetzwerks gegen FGM/C hervorgehoben.
In Workshops ging es zudem um die anspruchsvolle Arbeit von Sprach- und Kulturmittler:innen sowie um die belastende Situation betroffener Frauen in Anhörungsverfahren, etwa beim BAMF.
Der Fachtag war geprägt von intensiver Vernetzung und neuen Kontakten, unter anderem zu Ankerzentren in mehreren bayerischen Regionen. Große Wertschätzung erhielt die langjährige Arbeit von Rike Sindbert von pro familia Nürnberg, die das Thema in Bayern maßgeblich vorangebracht hat und nun in einen anderen Fachbereich wechselte. Auch das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales war vertreten.
IN VIA Bayern ist Teil des bayerischen Beratungs- und Präventionsnetzwerks gegen FGM/C und wird vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales gefördert. In Bayern leben nach Schätzungen von Terre des Femmes mehr als 20.000 von FGM/C betroffene oder gefährdete Mädchen und Frauen.
(Ende/Text: Annette Bieber)